In der Zukunft finden einige – nicht alle – Verlagshäuser und Medienunternehmen eine neue Rolle. Sie wandeln sich zu Dienstleistern für Journalist:innen, Expert:innen und andere unabhängige Medienmacher:innen. Mit diesen gemeinsam entwickeln und vermarkten sie neue publizistische Produkte: zum Beispiel Newsletter, Podcasts oder Communitys, aber auch neue, heute noch unbekannte Formate.
Aus Verlagshäusern werden in dieser Zukunft Serviceunternehmen, die – ähnlich wie Plattenfirmen – markante Stimmen mit eigener Community zu einem tragfähigen Geschäftsmodell machen. Sie vermarkten Reichweite, verkaufen Mitgliedschaften und Abos und bieten redaktionelle Services. Im Gegenzug erhalten sie Anteile an den Umsätzen der Creators.
Einige dieser „Journalismus-Creators“ kommen aus den eigenen Ökosystemen der Verlage, aus den Redaktionen und Netzwerken, viele aber sind Talente, die anderswo ein eigenes Publikum aufgebaut haben. Ihre Communitys bilden sich aus Menschen aus Generationen und Milieus, zu denen Zeitungen und ihre digitalen Ableger längst den Kontakt verloren hatten.
Den erfolgreichen Verlagen gelingt ein fundamentaler Kulturwandel. Sie stoppen die halbautomatisierte Medienproduktion (das übernehmen Computersysteme). Sie spezialisieren sich stattdessen ganz auf menschliche Intelligenz; auf das, was Maschinen nicht leisten: Dinge finden, die neu, wahr und wichtig sind.
Sebastian Esser, journalist.de, 26.01.2026 (online)

