Denn Wissenschaftsjournalismus berichtet nicht nur über neue Studien und Innovationen, die aus dem Wissenschaftsbetrieb herauskommen. Er trägt auch wissenschaftliche Stimmen in Debatten, die ihren Ursprung in einem anderen gesellschaftlichen System haben. Er kann verbraucherorientiert sein, wenn er drängende Fragen des Alltags wissenschaftlich fundiert beantwortet. Er kann Neugier wecken und befriedigen, er kann die Zumutungen der Weltlage erklären und vielleicht sogar zu ihrer Lösung beitragen.
Und nicht zuletzt schaut er dem Wissenschaftssystem selbst kritisch auf die Finger, weist auf Verzerrungen oder Interessenskonflikte hin und beteiligt sich so daran, ein Wissenschaftssystem zu schaffen, das zum Wohle der Gesellschaft arbeiten kann.
Um diesen Aufgaben nachzukommen, braucht es Menschen, die über die entsprechende Expertise verfügen. Menschen, die in der Lage sind, Äußerungen aus dem Wissenschaftsbetrieb kritisch zu hinterfragen. Menschen, die Leidenschaft für die Themen mitbringen und im redaktionellen Alltag dafür einstehen, dass sie auch den ihnen gebührenden Platz in Sendungen und auf Webseiten erhalten.
Studien zeigen, dass sich nicht nur das Medienvertrauen, sondern auch das Vertrauen in alle möglichen gesellschaftlichen Institutionen in einer Krise befindet. Das gilt auch für den Wissenschaftsbetrieb. Blickt man auf Mega-Themen wie die Pandemiebekämpfung, die Klimakrise, die Energiewende, die Verkehrswende, die Gesundheitsreform, die digitale Revolution, ist das demokratiegefährdend. Kann man sich aber darauf verlassen, dass kundige Journalistinnen und Journalisten ein gesellschaftliches System kritisch durchleuchten, fällt auch das Vertrauen in die Institutionen leichter.
Jana Ballweber, turi2.de, 25.06.2026 (online)

