Zitiert: Medien keine „vierte Gewalt“ mehr  

„Die Kontrolle der Politik durch die Redaktionen ist nichts wert, wenn eine Veröffentlichung keine Folgen hat. Denn die Kontrolle besteht im Wesenskern aus der Furcht der Politik, bei den nächsten Wahlen schlecht abzuschneiden. … Ein gefährliches Ungleichgewicht ist entstanden: die Macht ist beliebt, die kontrollierenden Medien unbeliebt. Zusätzlich zur ohnehin bestehenden Refinanzierungskrise der professionellen Medien. … Welche Macht hat die „Vierte Gewalt“ überhaupt noch in ihrer Eigenschaft als demokratische Kontrolle?“

 

Sascha Lobo, Spon, 13.05.2015

 

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Rainald Becker als meinungsstarker Chefredakteur

Rainald Becker ist für die Vorratsdatenspeicherung, denn dadurch wird Deutschland „ein Stück sicherer“. So sein Tagesthemen-Kommentar (15.04.2015, ab 3.30). Für Markus Beckedahl war dies der „wahrscheinlich unterirdischste Kommentar des Tages zur geplanten Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung“. Für Markus Beckedahl schaffte es Rainald Becker „innerhalb von nur 90 Sekunden die Vorratsdatenspeicherung so zu erklären, dass das so auch genauso aus der Presseabteilung des Innenministeriums kommen könnte. Fakten spielen da keine Rolle, die Argumentation passiert auf der Gefühlsebene. Außerdem sollten wir uns nicht so anstellen, wir würden ja auch lauter Privatunternehmen unsere Daten freiwillig geben. Der Höhepunkt ist die Suggestion, dass mit der Vorratsdatenspeicherung „größtmögliche Sicherheit“ komme.“ Weiterlesen Rainald Becker als meinungsstarker Chefredakteur

Warum Internet- und Softwarekonzerne immer mehr die Zukunft der Gesellschaft bestimmen

„Weil alte Wirtschaft und Politik den Entwicklungen im Netz um Lichtjahre hinterherhinken, müssen Internetdienste Aufgaben übernehmen, die dem Staat vorbehalten sind. Man sollte sie dabei nicht alleine lassen“,

so Johannes Boie in einem Kommentar der Süddeutschen Zeitung (12.12.2014). Das Internet sei wie ein Kessel, in dem zu viel Druck herrscht.

„Ständig gibt es Streit, Klagen, Verfahren und Urteile. Dann muss eine Seite reagieren, und weil die alte Wirtschaft und die Politik den Entwicklungen im Netz um Jahre hinterherhinken, werden die Internetkonzerne, allen voran Google, in die Rolle der Entscheider gedrängt.“

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„Der Tagesspiegel” mit Geschäftserweiterung auf dem Weg zum Lobbydienstleister?

„Der Tagesspiegel verkauft auf seiner „Agenda 2015“-Konferenz Redezeit an Lobbyisten“, kritisiert Petra Sorge auf Cicero. „Für einen fünfstelligen Betrag gibt es sogar ein eigenes Podium. Die Verbände Stahl, Chemie, Energie- und Wasserwirtschaft griffen zu“.

Die Zeitung „liefert vielen Lobbyverbänden mit der Konferenz eine Plattform, über die sie ihre Themen und Interessen gegenüber der Politik platzieren und wichtige Kontakte knüpfen können. Brisant ist, dass die teilnehmenden Verbände zum Teil Geld dafür zahlen, das Programm der Konferenz mitgestalten zu können“, stellt Lobbycontrol fest. Weiterlesen „Der Tagesspiegel” mit Geschäftserweiterung auf dem Weg zum Lobbydienstleister?

Zitat: Was Bilder über Politiker sagen

„Statt sich als Ikonen der Macht zu inszenieren, wirken vor allem westliche Regierungspolitiker zusehends wie, sagen wir, Manager. Damit aber vermitteln sie den Eindruck, als seien sie lediglich Sachwalter einer höheren Weltordnung, auf deren Verlauf sie selbst keinen Einfluss haben. Für Manager ist das zulässig, schließlich bewegen sie sich innerhalb der Gesetze der Marktwirtschaft. Wenn sich aber auch Politiker zu ausführenden Kräften reduzieren, sind nicht nur nahbare Kollegen zu sehen. Zu sehen ist auch: die Kapitulation politischer Gestaltungsmacht.“

 

Felix Stephan, Süddeutsche Zeitung, 15. April 2014