Zitiert: Atmosphäre eines permanenten Ausnahmezustands

Obwohl Markus Lanz gewiss nicht für die Rhetorik anderer verantwortlich ist, trägt er mit dem Entlarvungsgestus seiner Fragetechnik erheblich zur Atmosphäre eines permanenten Ausnahmezustands bei. Schock und Entsetzen passen zum Talkshow-Format, in dem bereits die Sitzmöbel das sofortige Aufspringen des Personals vorwegzunehmen scheinen. Etymologisch geht das Wort „entsetzen“ übrigens auf das Althochdeutsche „intsezzen“ zurück, das so viel bedeutet wie „aus dem Sitz, aus der ruhigen Lage kommen“.

Ohne die gezielte Entfesselung von Affekten ist in der politischen Debatte kaum noch etwas zu gewinnen.

Harry Nutt, fr.de, 25.02.2026 (online)

Klick-Tipp: Warum öffentliches Reden mit Rechten ein Problem ist

Simon Sahner argumentiert, dass die Strategie des öffentlichen Redens mit Rechten gescheitert sei, da die AfD trotz ständiger medialer Aufmerksamkeit heute stärker dastehe als je zuvor. Er kritisiert, dass Talkshows und Influencer rechtsextremen Akteuren oft nur aus Quotengründen eine Bühne böten. Dadurch würden deren radikale Ansichten fälschlicherweise als normale, diskutierbare Meinungen legitimiert. Statt inszenierter „Schaukämpfe“ vor der Kamera fordert Sahner, sich wieder den konkreten Alltagsproblemen der Menschen zu widmen.

Simon Sahner, 54books, 14.02.2026 (online)

Klick-Tipp: Appell für einen demokratischen und humanistischen Diskurs in den Medien

Mit Unverständnis haben wir zur Kenntnis genommen, dass die Redaktion der Talkshow „Caren Miosga“ ihre aktuelle Ausgabe in der vergangenen Woche unter dem Titel „Ist Trump ein Vorbild für Deutschland, Herr Chrupalla?“ ankündigte.

Die Fragestellung und die Wahl des Gesprächspartners sind Ausdruck einer weiteren Normalisierung extrem rechter, autoritärer, demokratie- und menschenfeindlicher Positionen, die derzeit nicht nur im öffentlich-rechtlichen Rundfunk stattfindet.

(online)

Zitiert: Talkshows des ÖRR sind überbewertet

Ihren Anteil im Vergleich zu dubiosen und weniger dubiosen Internetkanälen an der Meinungsbildung lässt sich zwar schwer einschätzen. Aber eine Erhebung dazu ist doch aufschlussreich: Die AfD war im Jahr 2025 bei einem Stimmenanteil von 24 Prozent im Bundestag bei ARD und ZDF in 2,8 Prozent der Talkshows, also wesentlich weniger, als es ihrem prozentualen Anteil von Wähler*innen entspricht. Die SPD hingegen saß mit einem Stimmenanteil von 19,1 Prozent im Bundestag in 25,2 Prozent der Talkshows von ARD und ZDF.

Und? Hat es ihr genutzt?

Doris Akrap, taz.de, 09.02.2026 (online)

Zitiert: Fehlende europäische Perspektiven im europäischen Fernsehen

Es gibt ja auch keine echte innereuropäische Berichterstattung. Wer weiß aus deutschen Schaufenstermedien, was in Rumänien geschieht, in Griechenland, Bulgarien, Portugal; wie dort gedacht und diskutiert wird? Welche polnischen Perspektiven es auf deutsche Verteidigungspolitik gibt? Welche irischen auf die Digitalpolitik der EU?…