Zitiert: Aus Aufmerksamkeit wird Erregung, aus Erregung wird Verdummung

In ähnlicher Weise hat bereits Danny Boyles „Ink“, vor drei Wochen Eröffnungsfilm der Filmfestspiele von Venedig, die Grenze zwischen Nachrichtenberichterstattung und Spektakel, Unterhaltung und öffentlicher Bloßstellung ausgelotet.

„Ink“ erzählt im Kern die Entstehung des modernen Boulevardjournalismus Ende der 60er Jahre. Robert Murdoch und sein „Sun“-Chefredakteur Larry Lamb erkennen, dass eine Zeitung nicht unbedingt dadurch erfolgreich wird, dass sie die Welt „erklärt“, sondern dadurch, dass sie die Leser „packt“. Die Nachricht wird vom Inhalt zum Rohstoff, um eine Reaktion zu provozieren.

Die Sun praktiziert in diesem Film keinen „schlechteren“ Journalismus, sondern entwickelt eine andere Vorstellung davon, was Journalismus überhaupt ist. Die Nachricht soll emotional sein, erregend, und leicht verständlich. „Ink“ erzählt von dem Moment, in dem der Journalismus entdeckt, dass Menschen keine Informationen wollen, sondern Eskapismus.

In der Gegenwart sehen wir, wohin das führt: Wenn man beide Filme zusammennimmt, erzählen sie eine ziemlich düstere Geschichte der Medien – die Geschichte einer moralischen Abwärtsspirale: Aus Information wird Aufmerksamkeit, aus Aufmerksamkeit wird Erregung, aus Erregung wird Verdummung. Und die gibt wenigen Leuten zuviel Macht.

Rüdiger Suchsland, Telepolis, 24.09.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)