In ähnlicher Weise hat bereits Danny Boyles „Ink“, vor drei Wochen Eröffnungsfilm der Filmfestspiele von Venedig, die Grenze zwischen Nachrichtenberichterstattung und Spektakel, Unterhaltung und öffentlicher Bloßstellung ausgelotet.
„Ink“ erzählt im Kern die Entstehung des modernen Boulevardjournalismus Ende der 60er Jahre. Robert Murdoch und sein „Sun“-Chefredakteur Larry Lamb erkennen, dass eine Zeitung nicht unbedingt dadurch erfolgreich wird, dass sie die Welt „erklärt“, sondern dadurch, dass sie die Leser „packt“. Die Nachricht wird vom Inhalt zum Rohstoff, um eine Reaktion zu provozieren.
Die Sun praktiziert in diesem Film keinen „schlechteren“ Journalismus, sondern entwickelt eine andere Vorstellung davon, was Journalismus überhaupt ist. Die Nachricht soll emotional sein, erregend, und leicht verständlich. „Ink“ erzählt von dem Moment, in dem der Journalismus entdeckt, dass Menschen keine Informationen wollen, sondern Eskapismus.
In der Gegenwart sehen wir, wohin das führt: Wenn man beide Filme zusammennimmt, erzählen sie eine ziemlich düstere Geschichte der Medien – die Geschichte einer moralischen Abwärtsspirale: Aus Information wird Aufmerksamkeit, aus Aufmerksamkeit wird Erregung, aus Erregung wird Verdummung. Und die gibt wenigen Leuten zuviel Macht.
Rüdiger Suchsland, Telepolis, 24.09.2026 (online)

