Das gehört zum Berufsbild, und Alice Schwarzer hat das gewusst. Louise Ottos Frauen-Zeitung gab es ab 1849 nur drei Jahre lang, dann wurde sie vorsichtshalber verboten; unterwegs wurde in Sachsen die „Lex Otto“ erlassen, ein Gesetz, das Frauen das Herausgeben von Zeitungen untersagte. Woodhull & Claflin’s Weekly wurde in den USA einige Jahrzehnte später der Verbreitung von Pornografie auf dem Postweg bezichtigt, auch eine Methode, Schweigsamkeit zu verhängen. […]
Was Feministinnen und Kontroversen betrifft, kann man weit ausholen. Elizabeth Cady Stanton, Jahrgang 1815, bekämpfte erst einmal die Sklaverei, bevor man sie so geärgert hatte, dass sie sich für Frauenrechte einsetzte. Trotzdem hat Stanton in den USA heute keinen guten Ruf. Sie war eng befreundet mit dem schwarzen Abolitionisten Frederick Douglass, wichtigste Figur bei der Einführung des Wahlrechts für schwarze Männer. Stanton, Douglass und Susan B. Anthony, die den 19. Zusatz zur US-Verfassung formuliert hat, der Frauen das Wahlrecht gibt, waren über Jahre hinweg ein Dreiergespann, das sich gegenseitig unterstützte und zusammenhielt. […]
Auch Alice Schwarzer wurde schon immer von den Gegnern des Feminismus angegriffen – und von Vertreterinnen eines anderen Feminismus. Vielleicht ist es in Ordnung, wenn neue Generationen Dinge anders sehen, auch wenn man ihnen wünschen mag, dass sie nicht wieder bei Adam und Eva anfangen und der Blick zurück bei der Gestaltung des eigenen Weges Inspiration und Fehlervermeidung gleichermaßen sein kann.
Susan Vahabzadeh, sueddeutsche.de, 21.10.2026 (online)
